Der eigentliche Gründer
von Franz Weitzel
Der langjährige Lokalchef der Westfalenpost widmete dem maßgeblichen Mitgründer der CDU, Josef Golüke einen Nachruf im authentischen Stiel seiner Zeit: Eine Todesnachricht eilte gestern wie ein Lauffeuer durch die Stadt und erschütterte viele, die sie hörten: Josef Golüke, geschäftsführender Direktor des Gemeinnützigen Wohnungsvereins, Mitglied des Landtages, des Landschaftsverbandes, der Stadtvertretung Hagen und CDU-Fraktionsvorsitzender, ist nicht mehr. In den späten Abendstunden des Donnerstag versagte plötzlich im Marienhospital, wo er zur stationären Behandlung weilte, sein Herz in einem heftigen Kampf um den Lebensatem. Buchstäblich bis zum letzten Tag hielten Besprechungen und Verhandlungen das bis zum Rande gefüllte Leben und Streben dieses Mannes in Spannung. Wer ihn in seiner sprichwörtlichen Vitalität noch vor sich sieht, die ihn auch gegen eine längere Krankheit immer wieder mit Lebensmut angehen ließ, kann die Nachricht nur schwer fassen.
Verband Beruf mit Politik
Die Hagener kennen den Mann, der von ihnen ging, und viele Freunde und Arbeitnehmer weit über die Stadtgrenzen hinaus. Schon in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg kam er in Verbindung mit dem politischen Leben, das für ihn mit seinen großen beruflichen Aufgaben zum Lebensinhalt werden sollte. Auf den beruflichen Sektor zeugen Wohnblocks und Siedlungen für die Erfolge seiner Tätigkeit, auf der politischen und sozialen Ebene sind es die unermüdlichen und tatkräftigen Bestrebungen, die christlichen Grundlagen in den vielfältigen Erscheinungen des Gemeinschaftslebens immer mehr zur Geltung zu bringen. Es ist nur zu begreiflich, daß gerade in dieser Hinsicht vieles Große in der Stille geschah und reifte, bevor es Wirklichkeit werden konnte. In Hagen reiften in dieser Hinsicht weitere große Pläne noch in der Stille, um sie zu gegebener Zeit verwirklichen zu können, die nun leider eine Stockung erfahren werden, bis die Lücke, die durch das Hinscheiden Golükes entstand, in etwa wieder ausgefüllt werden kann. Anläßlich seines 65. Geburtstages im Oktober vergangenen Jahres brachten wir noch eine umfassende Würdigung seines nimmermüden Planens und Schaffens, in denen er das Gemeinwohl immer dem persönlichen und familiären Wohl voranstellte.
Am Anfang die Maurerlehre
Josef Golüke wurde am 25. Oktober 1894 in Bredenborn (Kreis Höxter) als zweites Kind einer kinderreichen Familie geboren. Nach seiner Schulentlassung kam er als Maurerlehrling nach Hagen. Seine praktische Arbeit im Bauberuf wurde durch den 1.Weltkrieg unterbrochen. Seit 1921 widmete er sich der christlichen Gewerkschaftsbewegung, deren Sekretär er im Zentralverband der christlichen Bauarbeiter war, bis ihn 1933 die NS-Machthaber aus dieser Arbeit für die Gemeinschaft verdrängten. 1932, also in der Zeit der größten Arbeitslosigkeit, wurde er Mitgründer der gemeinnützigen Siedlungsgenossenschaft Heimbau und ihr erster ehrenamtlicher Geschäftsführer. In Selbsthilfe und unter Mithilfe des Arbeitsdienstes entstanden damals schon die ersten 84 Siedlerstellen.
Lebenswerk: Wohnungsverein
Mit dieser Arbeit hatte Golüke gleichsam den Grundstein für sein späteres Lebenswerk gelegt, das in den weiteren Jahrzehnten entstand und das ihn als hauptamtlicher Geschäftsführer, heutigen geschäftsführenden Direktor des Gemeinnützigen Wohnungsvereins eGmbH in Hagen bis zu seinem Tode sah. Der 50jährige konnte nach der Kapitulation 1945 gar nicht anders, als den einmal eingeschlagenen Weg in Beruf und Politik fortzusetzen. Aus den Kellern seines zerbombten Hauses auf Emst kam Golüke zum Rathaus und stellte sich als einer der ersten zur Mitarbeit zur Verfügung. Auf diese Weise kam der schwerverwundete Heimkehrer aus dem 1. Weltkrieg zum zweiten Male in die Politik als Berater und tatkräftiger Helfer des von der Besatzungsmacht eingesetzten Oberbürgermeisters, als ehrenamtlicher Bau- und Wohnungskommissar und als Mitgründer und langjähriger Kreispartei- und Fraktionsvorsitzender der CDU Hagen, ferner als Landtagsabgeordneter des Wahlkreises Hagen und als Mitglied der Sozialausschüsse der christlichen Arbeitnehmerschaft. In Verbindung der beruflichen und politischen Aufgaben gelang es ihm, für den Wiederaufbau der zerstörten Stadt und den Wohnungsaufbau, daneben auch für Bauvorhaben des öffentlichen, sozialen und kirchlichen Lebens seine reichen praktischen Erfahrungen und Kenntnisse erfolgreich und vielfach entscheiden einzusetzen. Nur wenige Zahlen seien aus seinem beruflichen Leben angeführt. Der Gemeinnützige Wohnungsverein verlor 700 seiner 1.100 Wohnungen. Er betreut heute einschließlich 800 Siedlerstellen und Eigenheimen rund 5.000 Wohnungen in seiner Verwaltung, die mit einem verhältnismäßig kleinen Mitarbeiterstab diese große Erfolge erzielte. Die vielfältige politische Tätigkeit Golükes im kommunalen Bereich und auf Landesebene zu schildern, würde an dieser Stelle zu weit führen. Hervorzuheben ist die Zielstrebigkeit, mit der er sich den gegebenen Aufgaben widmete, und das sachliche Bestreben, für die jeweils notwendigen Beschlüsse möglichst übereinstimmende und einmütige Entscheidungen herbeizuführen. Daß es darüber hinaus auch sein Bestreben war, mit den übrigen Fraktionen des Stadtparlaments erfolgreiche praktische Arbeit zu leisten, ohne von den Grundsätzen christlicher Verantwortung abweichen zu müssen, kennzeichnet die Persönlichkeit des christlichen und sozial empfindenden Politikers.
Mitfühlendes Herz
Über diese politische Bereiche hinaus war Josef Golüke auch im kirchlichen und karitativen Leben ein praktizierender Mann. Als Kirchenvorstandsmitglied der Pfarrei Heilige-Geist Emst, Mitgründer und Vorstandsmitglied des Caritasverband Hagen, Vorsitzender des Jugendwohnheims Haspe (Don-Bosco-Heim) und aktives Mitglied zahlreicher Vereinen stand er auch mitten im kirchlichen und karitativen Leben und seinen sozialen Einrichtungen, die ihm viele erfolgreiche Hilfe verdanken. In diese Aufzählungen sind mit einzubeziehen die vielen freundschaftlichen Beziehungen mit Rat und Tat, die das Persönlichkeitsbild eines Mannes abrunden, der mitten in diesem Leben vom Tode umfangen wurde. An seiner Bahre trauern mit seinen Familienangehörigen nächsten Freunden viele, die ihn wirklich kannten, und die wußten, daß unter dem schon mal kantigen Äußeren ein weiches und mitfühlendes Herz schlug, das zu jeder Zeit Verständnis für die Sorgen die Allgemeinheit verdanken ihm viel. Sein Andenken lebt fort in seinen Werken und wird in Ehren gehalten werden.
