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Bürokratie in der Pflege sprengt jede Vorstellungskraft

Gerbersmann erschüttert über Auswirkungen der Gesundheitsreform in der Pflege

2004_08_23_st-clara_300pxHagen - Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Altenpflegeheimen verwalten sich zu Tode.

Das war der Eindruck des Hagener CDU-Fraktionsvorsitzenden und Oberbürgermeisterkandidaten Christoph Gerbersmann nach einem Besuch mehrere Pflegeeinrichtungen im Rahmen seiner Sommertour 2004: "Was sich hier an Bürokratie in den letzten Jahren entwickelt hat, sprengt jede Vorstellungskraft." Drei Pflegeeinrichtungen und die SoziaIstation der Caritas im Finkenkamp waren Ziel des Fraktionsvorsitzenden, der sich ein aktuelles Bild über die Pflegesituation in Hagen verschaffen wollte. Den Auftakt bildete ein Termin im Altenwohnheim St. Clara, wo er von Schwester Fatima und dem Geschäftsführer der Caritas, Wolfgang Röspel begrüßt wurde. Dabei konnte er im Gespräch mit den Senioren unter anderem ein Lob auf die Neue Mitte und die Busverbindung durch die Lützowstraße mitnehmen, bevor er auch auf die Probleme durch die bevorstehende Kürzung des Taschengeldes durch die Bundesregierung angesprochen wurde.

In der Sozialstation der Caritas bekam Gerbersmann neben einen ersten Vorgeschmack auf den im Pflegebereich tobenden Papierkrieg auch ein paar alltägliche Probleme mit auf den Weg. Im Fachgespräch mit Pflegedienstleiterinnen und -leitern erfuhr er, dass die Mitarbeiter des ambulanten Dienstes nicht nur eine Menge Zeit für die Pflege begleitende Dokumentation benötigen, sondern auch beim Parken in der Innenstadt Schwierigkeiten haben, weil die freien Parkplätze um die Fußgängerzone herum sehr knapp geworden sind. Auf die fehlenden Parkplätze bezogen versprach Gerbersmann, sich kurzfristig für eine praktikable Lösung einzusetzen.

Im Caritas-Sozialzentrum im Finkenkamp konnte sich Gerbersmann auch ein Bild von der Jugendberufshilfe der Caritas machen. Hier erhalten Jugendliche die Möglichkeit, verschiedene Berufsbilder kennen zu lernen und Erfahrungen im praktischen Arbeiten zu sammeln: "Wir wollen den jungen Menschen dabei helfen, Ihre Talente zu entdecken, um Sie dann an den ersten Arbeitsmarkt vermitteln zu können", erläutert der Abteilungsleiter Berufliche Eingliederungsmaßnahmen Elmar Kotthoff. Bei jedem Vierten gelingt uns das sofort, ein weiteres Drittel kann anschließend zur Weiterqualifizierung in andere Einrichtungen."

Einen erschreckenden Einblick in Sachen Bürokratie erhielt der CDU-Fraktionsvorsitzende bei der Besichtigung des Altenpflegeheimes WohlbeHagen in der Berchumer Straße. Geschäftsführer Willi Strüwer erläutert, dass "unsere Mitarbeiter inzwischen bis zu 40 Prozent ihrer Zeit damit verbringen, die Pflege und viele andere Parameter zu dokumentieren. Während dieser Zeit kann das Personal nicht für die Bewohner da sein." "Meiner Ansicht nach wäre es besser, wenn weniger geschrieben würde und dafür mehr Zeit für die Menschen übrig bliebe", so Gerbersmann. "Ein paar persönliche Worte für die Heimbewohner sind wichtiger als dicke Dokumentationen."

Für eine weitere katastrophale Vermehrung des Arbeitsaufwandes hat auch die Gesundheitsreform der rot-grünen Bundesregierung gesorgt. "Heute muss ein Mitarbeiter zusätzlich mit den gesammelten Versichertenkarten der Heimbewohner von Arzt zu Arzt fahren, um dort die Praxisgebühr zu entrichten. Bei 84 Bewohnern sind das zurzeit 50 Hausärzte, die er da abfahren muss. Für diese Mehrarbeit bekommen die Heime keinerlei Entschädigung."

Nach diesem Einblick in die Anforderungen an die Pflegeeinrichtungen ist für Gerbersmann klar: "Hier herrscht akuter Handlungsbedarf. Entweder Bundesregierung, Pflegekassen und Medizinischer Dienst befreien das Pflegepersonal von überflüssigen Verwaltungstätigkeiten oder wir werden in wenigen Jahren nur noch Verwaltungsfachkräfte dort vorfinden, die nebenbei auch mal um die Hilfs- und Pflegebedürftigen kümmern können. Das war sicher nicht das Ziel der Pflegeversicherung."

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