"Quo Vadis Hagen?"
Der Sitzungssaal der SIHK zu Hagen reichte fast nicht aus, um die gut 200 Interessierten zu fassen, die gekommen waren, als es um die Frage ging: "Quo vadis Hagen?"
Im Zuge der Verwaltungsstrukturreform sollen in Nordrhein-Westfalen Strukturen verschlankt, die Verwaltung modernisiert und Entscheidungswege verkürzt werden. Deshalb sieht die Reform vor, aus den bisherigen 5 Regierungsbezirken noch 3, nämlich Rheinland, Ruhrgebiet und Westfalen zu belassen.
Außerdem werde im Europa ohne Grenzen keine einzelne Stadt wahrgenommen, deshalb sei das Ziel auch, leistungsstarke Regionen in NRW zu formen, so Oliver Wittke, NRW-Minister für Bauen und Verkehr.
Gleich zu Beginn stellte Carmen Knollmann, Kreisvorsitzende der CDU Hagen, fest, dass Hagen sich klar festlegen müsse, zu welcher Region man künftig gehören wolle, um als verlässlicher Partner in Wirtschaft, Verkehr und Handel wahrgenommen zu werden. Dabei könne für Hagen nicht klar definiert werden, ob es sich zum Ruhrgebiet zugehörig fühle oder eher Oberzentrum für den südwestfälischen Raum sei.
Diese Frage beleuchtete man anschließend aus verschiedenen Perspektiven. Hans-Peter Rapp-Frick, Hauptgeschäftsführer der SIHK Hagen, äußerte die Befürchtung, dass das Ruhrgebiet hauptsächlich beschränkt sei auf die großen Zonen wie Dortmund, Bochum und Essen und Randstädte wie Hagen die Verlierer seien. Hagen sei landesplanerisch ein Oberzentrum, aber nicht für Bochum und Dortmund, sondern u. a. für den Märkischen Kreis.
Hermann Backhaus, Vorstandsvorsitzender der Märkischen Bank, regte an, die Diskussion auch aus der Sicht der Wirtschaft zu sehen und zu fragen: "Was ist gut für Hagen?"
"Das Ruhrgebiet könnte die Welt verändern, wenn es denn wollte", dieses Zitat von F. Doppheide wurde von Rainer Kurth, Vorstand Sparkasse Hagen, nachhaltig unterstützt, der eine Reihe von Beispielen u. a. die Anhäufung von Kulturstandorten, Fun-Stätten und den Industriefaktor als Richtungsweisung in das Ruhrgebiet sah. Er stellte die provokante Frage: "Ist Hagen wirklich funktional ein Oberzentrum?" und forderte weiter: "Hagen muss Teil eines großen Verbundes werden, in dem die Post abgeht."
Prof. Dr. Jörg Liese, Rektor der Fachhochschule Südwestfalen, hat in Hagen eine besondere Dynamik entdeckt. In Hagen und dem Umland herrsche ein Unternehmergeist, der sich vom Ruhrgebiet vollkommen unterscheide. Er war der Meinung, dass die dynamische Wirtschaftsentwicklung in Südwestfalen Hagen durchaus mitziehen könne.
Nach angeregter Diskussion konnte auch an diesem Abend natürlich keine abschließende Antwort auf die Frage "Quo vadis Hagen?" gefunden werden. Aber sicherlich war diese hochinteressante und hochkarätig besetzte Veranstaltung für den einen oder anderen Ratsvertreter mehr als ein Gedankenanstoß. Und bis Anfang Oktober darf ja durchaus in Hagen noch weiter nachgedacht werden.
