Hagen träumt von Cottbus´ Schulden
Wieder vereint: CDU-Mitglieder aus Hagen und Cottbus mit der neu aufgelegten Partnerschaftsurkunde. (WR-Bild: Christian Zett)
Hagen. Ihre eingeschlafene Partnerschaft wollen die Hagener und die Cottbusser CDU wieder aufleben lassen. Darum reisten die Hagener im April nach Brandenburg.
An diesem Wochenende steht der Gegenbesuch an - und die Cottbusser erteilten ihren Gastgebern die eine oder andere Lektion. Der Cottbusser Kreisvorsitzende Dr. Michael Schierack erzählte. Von der Partnerschaft, die nach der Wende ins Leben gerufen wurde und Mitte der 90er Jahre ein bisschen in Vergessenheit geriet.
Von dem Cottbusser Rechtsausschuss, den sich die Hagener CDU-Vorsitzende Carmen Knollmman auch hier vorstellen kann. Und von den Gemeinsamkeiten, die er bei den Städten Hagen und Cottbus festgestellt hatte: Region im Wandel. Arbeitslosigkeit. Einwohnerrückgang.
Und dann fiel der erste Satz, der bei den anwesenden Hagenern Unbehagen auslöste: "Wir sind erstaunt, mit welcher Manpower sie hier Verwaltung betreiben", sagte Schierack. Da fiel Knollmann noch etwas zu ein: "Das ist aber positiv ausgedrückt", sagte sie.
Schierack redete weiter, von den 1400 Cottbusser Verwaltungsangestellten, die man in den nächsten zwei Jahren gerne auf 1000 drücken würde. Und wiederholte, wie erstaunt er angesichts der 3800 Hagener Stadtverwalter sei - bei nur zwei Mal so großer Einwohnerzahl.
Jetzt sollen die Cottbusser Stadtangestellten 20 Prozent weniger arbeiten und zehn bis zwölf Prozent weniger Gehalt bekommen. "Das sollten wir uns mal angucken", sagte Knollmann.
Und schwieg dann, als Schierack von dem strukturellen Defizit in Cottbus sprach, dass bei knapp 200.000 Euro liegt und damit doch ein ganzes Stückchen unter den mehr als 120 Millionen Euro Miesen, mit denen sich Hagen in diesem Bereich herumschlägt. Gut, dass eines der Partnerschaftsziele "voneinander lernen" lautet...
An diesem Wochenende steht für die Cottbusser eine Hagen-Tour auf dem Programm: Gestern Schloss Hohenlimburg, am Abend wurde der Partnerschafts-Mitbegründer Oskar Pahnke mit der CDU-Ehrenmedaille in Silber geehrt. Heute steht die Besichtigung des Freilichtmuseums auf dem Plan.
In Zukunft planen die beiden Kreisverbände, sich einmal im Jahr zu besuchen.
FAKTEN
30 000 Einwohner verloren
Zwischen Cottbus und Hagen gibt es einige Parallelen. So verzeichnet auch die kreisfreie Stadt in Brandenburg einen starken Einwohnerrückgang. Trotz mehrerer Eingemeindungen in den letzten Jahren leben aktuell nur rund 101.000 Einwohner dort. Kurz vor der Wende waren es noch knapp 130 000. Damit ist Cottbus nach der Landeshauptstadt Potsdam immer noch die zweitgrößte Stadt des Bundeslandes. Wie Hagen hat auch Cottbus mit Frank Szymanski einen SPD-Bürgermeister. Beide Städte seien geprägt von Industrie - und "sie haben mit demographischen Problemen, Arbeitslosigkeit und Wohnungsleerstand zu kämpfen", sagte Dr. Michael Schierack, CDU-Kreisvorsitzender in Cottbus.
(14.09.2007 Von Christian Zett / Westfälische Rundschau)
